TÜV-Vorbereitung: Warum jedes fünfte Auto die Plakette verpasst – Insider-Tipps vom Werkstatt-Profi

Die Hauptuntersuchung (HU) – oder wie wir alle sagen: „der TÜV“ – ist für viele Autofahrer in Deutschland so etwas wie ein Zahnarztbesuch. Man weiß, dass es notwendig ist, aber man geht mit einem mulmigen Gefühl hin. Als Inhaber einer Kfz-Werkstatt sehe ich täglich Autos, die eigentlich topfit wirken, dann aber wegen einer „Kleinigkeit“ keine Plakette bekommen.

Die nackten Zahlen sind deutlich: Fast jeder fünfte Pkw (über 20%) fällt bei der HU mit „erheblichen Mängeln“ durch. In diesem Artikel verrate ich Ihnen, worauf die Prüfer wirklich achten, wo die tückischsten Fallen lauern und wie Sie entspannt durch die nächste Untersuchung kommen.

Die Statistik lügt nicht: Das Alter ist der größte Feind

Unser Fuhrpark in Deutschland wird immer älter. Mittlerweile liegt das Durchschnittsalter bei stolzen 10,6 Jahren. Das Problem: Je älter das Auto, desto höher die Durchfallquote. Während bei der ersten Untersuchung nach drei Jahren nur etwa 2,4 % bis 6 % der Wagen Probleme machen, fliegt bei den 10- bis 11-jährigen Fahrzeugen schon fast jedes vierte Auto raus.

FahrzeugalterQuote erheblicher Mängel (ca.)
2–3 Jahre2,4 % – 6,0 %
4–5 Jahre3,1 % – 10,0 %
10–11 Jahrebis 23,0 %
über 12 Jahrebis 28,0 %

Daten basierend auf den aktuellen TÜV-Reports 2024/2025.

Die „Klassiker“: Hier schauen die Prüfer zuerst hin

1. Licht und Elektronik (Der Spitzenreiter der Mängel)

Probleme mit der Beleuchtung sind mit 24,7 % der häufigste Grund für eine verweigerte Plakette. Das ist besonders ärgerlich, weil Sie das meiste davon selbst prüfen können. Der Prüfer checkt alles: Abblendlicht, Fernlicht, Blinker, Bremslichter und sogar die Kennzeichenbeleuchtung.   

Profi-Tipp: Achten Sie auch auf die Kontrollleuchten im Cockpit. Wenn die Airbag- oder ABS-Lampe nach dem Starten nicht ausgeht, brauchen Sie gar nicht erst vorzufahren – das ist ein direktes K.o.-Kriterium.

2. Die Bremsanlage: Sicherheit geht vor

Hier gibt es kein Pardon. Rost an den Bremsleitungen, einseitige Bremswirkung oder verschlissene Scheiben führen sofort zum „EM“ (Erheblicher Mangel). Interessanterweise haben wir hier ein neues Phänomen bei Elektroautos. Da E-Autos wie das Tesla Model 3 viel über den Motor bremsen (Rekuperation), werden die mechanischen Bremsen zu selten genutzt und setzen Rost an. Das ist einer der Gründe, warum Tesla in den Mängelstatistiken oft weit hinten landet.   

3. Fahrwerk und Achsen

Unsere Straßen setzen der Aufhängung zu. Ausgeschlagene Spurstangen, defekte Stoßdämpfer oder Risse in den Gummimanschetten werden auf der „Rüttelplatte“ der Prüfstelle gnadenlos aufgedeckt. Besonders schwere SUVs und E-Autos mit ihren schweren Batterien belasten die Achsaufhängungen enorm.

Neu seit 2023/2024: Die „Partikelfalle“ für Diesel

Besitzer von modernen Dieseln (Euro 6) müssen jetzt besonders aufpassen. Seit Juli 2023 gibt es die verschärfte Partikelzählung (PN-Messung). Früher wurde nur die Trübung gemessen, heute zählt das Gerät jedes einzelne Rußpartikelchen. Viele Ford-Modelle (Kuga, Focus, Transit) hatten hier massive Probleme, weil ihre Partikelfilter (DPF) oft feine Risse haben, die man von außen nicht sieht. Wenn der Wert über 250.000 Partikel pro Kubikzentimeter liegt, ist Feierabend.

Digitaler Stress: eCall und Assistenzsysteme

Wussten Sie, dass eine leere Pufferbatterie für das Notrufsystem eCall ein Grund zum Durchfallen sein kann? Seit 2018 ist das System Pflicht. Wenn die SOS-Taste rot leuchtet oder ein Fehler im Fehlerspeicher steht, gibt es keine Plakette. Ebenso werden moderne Assistenten wie der Notbrems- oder Spurhalteassistent über die OBD-Schnittstelle ausgelesen. Ein gespeicherter Fehler wird oft als erheblicher Mangel gewertet.

Die „Mängelzwerge“ und „Mängelriesen“: Wer gewinnt?

Die Statistik zeigt klare Tendenzen bei den Fahrzeugmodellen:

  • Die Musterschüler: Honda Jazz, Porsche 911 und der VW Golf Sportsvan sind regelmäßig die zuverlässigsten Autos mit den niedrigsten Quoten.

  • Die Sorgenkinder: Tesla Model 3 und Model Y sowie Modelle von Dacia (Logan, Sandero) finden sich leider oft am Ende der Tabelle wieder – oft wegen Mängeln an Fahrwerk, Bremsen oder Licht.

Termine und Kosten: Warten wird teuer

Die Farbe Ihrer Plakette sagt Ihnen alles: 2026 müssen alle Autos mit einer blauen Plakette zur HU. Wer besteht, bekommt eine braune Plakette (gültig bis 2028).

Die Strafe für Trödler: Wer den Termin um mehr als zwei Monate überzieht, muss zur „vertieften Hauptuntersuchung“. Das kostet etwa 20 % Aufschlag. Außerdem drohen Bußgelder:

  • 2–4 Monate: 15 €

  • 4–8 Monate: 25 €

  • Über 8 Monate: 60 € und 1 Punkt in Flensburg.

Der ultimative Vorab-Check: Was Sie selbst tun können

Bevor Sie zu uns in die Werkstatt oder direkt zum TÜV fahren, gehen Sie diesen kurzen Check durch:

  1. Beleuchtung: Einmal um das Auto laufen. Brennt alles? Auch die Kennzeichenbeleuchtung?

  2. Bereifung: Mindestens 1,6 mm Profil sind Pflicht (wir empfehlen 3 mm).

  3. Scheiben: Steinschläge im Sichtfeld des Fahrers sind ein No-Go.

  4. Flüssigkeiten: Ölstand, Kühlwasser und vor allem das Scheibenwischwasser prüfen. Eine leere Waschanlage kann tatsächlich als Mangel aufgeschrieben werden.

  5. Ausrüstung: Ist der Verbandkasten noch haltbar? Sind Warndreieck und Warnweste an Bord?

Fazit: Warum die Werkstatt oft die bessere Wahl ist

Natürlich können Sie direkt zur Prüfstelle fahren. Aber: Der Prüfer dort ist ein Gutachter, kein Mechaniker. Wenn er eine defekte Glühbirne findet, schreibt er einen Mangel auf und Sie müssen zur Nachprüfung (Kosten: ca. 15–30 €).

In einer Werkstatt wie unserer machen wir einen „Vorab-Check“. Wenn wir eine Kleinigkeit finden, beheben wir sie sofort, bevor der Prüfer das Auto sieht. Das spart Ihnen Zeit, Nerven und am Ende oft auch Geld.   

Kommen Sie sicher durch die nächste Prüfung und achten Sie auf Ihre Plakettenfarbe – wir sehen uns beim nächsten Service!

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